Preiswucherer

Seit 1993 stiegen die Löhne um ca. 25 %.
Die Beiträge zur Bauberufsgenossenschaft erhöhten sich um etwa 116 %

Seit mehr als zehn Jahren kracht und knallt es im Bauwesen. Die vorhandene Arbeit reicht schon lange nicht mehr für Alle. Qualifizierte Fachleute müssen entlassen werden.
Die kleinen mittelständischen Betriebe kämpfen verzweifelt um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, um das Überleben der Unternehmungen.
Es ist das Einzige was sie besitzen, mit dem sie und ihre Mitarbeiter ihre Familien ernähren müssen. Arbeitslosengeld und Harz IV gibt es für den Chef nicht, dafür wird er nach Basel II "geratet".
Die finanzielle Polster sind aufgezehrt, im Betrieb verpufft.
Von den statistisch erfassten Baubetrieben existierten im Januar 1998 noch 14.945 Betriebe mit ca. 747.000 Beschäftigten, davon waren im Januar 2006 nur noch 7.300 Betriebe mit 344.000 Beschäftigten übrig (Quelle: Statistisches Bundesamt) .
Eine langfistige Entwicklung ist unter dem Link http://www.destatis.de/indicators/d/lrbhg01ad.htm
einsehbar.
Die kleinen Betriebe mit 3 bis 10 Mitarbeitern sind anscheinend keine eigene Statistik wert.

Nachweis:
Beitragsjahr Gefahrklasse Beitragsziffer
Ausgleichslast Insolvenzgeld AMED-Dienst Techn  BeratungsDienst Bauberufs-
genossenschaft
Steigerung 
seit 1993
Bundesecklohn Dachdecker
Gerüstbauer
usw.
Beitragsfaktor Beitragsfaktor Beitragsfaktor Beitragsfaktor Beitragsfaktor Gesamtbeitrag .
€/Stunde . €/Stunde €/Stunde €/Stunde €/Stunde €/Stunde €/Stunde .
1993
10,0
0,0055
0,00105
0,00130
0,001
.
 .
 .
11,79 €
 
0,65 €
0,01 €
0,02 €
0,01 €
.
0,69 €
100,00 %
1994
10,0
0,0055
0,00105
0,00140
0,001
.


12,12 €
 
0,66 €
0,01 €
0,03 €
0,01 €
. 0,71 €
102,90 %
1995 10,0 0,0055 ~ 0,00102 0,00162 0,001 . . .
12,59 €
. 0,69 €
0,02 €
0,02 €
0,01 €
. 0,74 €
107,25 %
1996 10,0 0,0058 ~ 0,00105 0,00165 0,001 . . .
12,59 €
. 0,73 €
0,02 €
0,02 €
0,01 €
. 0,78 €
113,04 %
1997 10,0 0,0058 ~ 0,00100 0,00230 0,001 . . .
12,84 €
. 0,75 €
0,02 €
0,03 €
0,02 €
. 0,82 €
118,84 %
1998 10,0 0,0064 ~ 0,00105 0,00225 0,001 . . .
13,03 €
. 0,83 €
0,02 €
0,03 €
0,02 €
. 0,90 €
130,43 %
1999 10,5 0,0068 ~ 0,00100 0,00190 0,001 . . .
13,32 €
. 0,95 €
0,02 €
0,03 €
0,02 €
. 1,02 €
147,83 %
2000
10,5
0,0072
~ 0,00087
0,00177
0,001
0,00020
.
.
13,59 €
.
1,03 €
0,01 €
0,03 €
0,02 €
0,01 €
1,10 €
159,42 %
2001
10,5
0,0074
~ 0,00089
~ 0,00179
0,001
0,00020
.
.
13,82 €
.
1,07 €
0,01 €
0,03 €
0,02 €
0,01 €
1,14 €
165,22 %
2002
10,5
0,0083
0,00091
0,00320
0,0012
0,00014
.
.
14,19 €
.
1,24 €
0,01 €
0,05 €
0,02 €
0,01 €
1,33 €
192,75 %
2003
10,5
0,0089
.
0,00290
0,0012
0,00014
.
.
14,43 €
.
1,35 €
.
0,04 €
0,02 €
0,01 €
1,42 €
205,80 %
2004
10,5
0,0092
.
0,00250
0,0012
0,00014
.
.
14,70 €
.
1,42 €
.
0,04 €
0,02 €
0,01 €
1,49 €
215,94 %
Datenquellen :           Abrechnungen der Bauberufsgenossenschaft Frankfurt
                                Statistisches Bundesamt Deutschland
                                Tarifvertrag des Deutschen Dachdeckerhandwerks

Die Beiträge zur Bauberufsgenossenschaft stiegen seit 1993 um ca. 116 %.
Die Lohnerhöhungen von insgesamt ca. 25 % sehen dagegen sehr moderat aus.

Eine der Ursachen für den exorbitanten Preiswucher der Berufsgenossenschaften liegt im veralteten System des klassischen Beitragsberechnungsverfahrens.

 Kosten der Berufsgenossenschaft geteilt durch die Lohnsumme der Betriebe = Beitragssumme

In den abgeschotteten Märkten der Vergangenheit mit den klassischen Beschäftigungsverhältnissen funktionierte das wunderbar. Der Quotient : Kosten geteilt durch Lohnsumme blieb stabil. Niemand machte sich Gedanken. Das staatlich garantierte Monopol der Berufsgenossenschaften funktionierte.
 
Die begrüßenswerte Liberalisierung der Märkte greift im Bauwesen.
Klassische Beschäftigungsverhältnisse im Bauwesen werden aufgelöst und durch international anbietende Nachunternehmen ersetzt.

Hauptsache die Produktionsvolumina der Betriebe, die Umsätze, bleiben auf gleichem Niveau.

Durch die Internationalisierung der Baustellenarbeiten bricht die Zahl der klassischen Beschäftigungsverhältnisse auf dem Bau zusammen.

Der Nenner des Bruches zur Beitragsberechnung, die Lohnsumme, wird kleiner, sinkt rapide, geht gegen Null. Der Zähler des Bruches, der Kostenaufwand der BauBeGe, bleibt zumindestens gleich oder steigt sogar. Zwangsläufig klettern daher die Beiträge in nicht mehr zumutbare Höhen.

Die gestiegenen Kosten der Berufsgenossenschaften werden auf immer kleinere Lohnsummen verteilt.
Den Betrieb mit dem letzten nach deutschem Recht Beschäftigten werden die Hunde beissen.

Nach dem Prinzip der klassischen Beitragsberechnung zahlt er die gesamten Kosten der BauBeGe.
Gemäß RVO fallen alle Bauunfälle [auch die Unfälle der privaten, afrikanischen Häuslebauer (Schwarzarbeiter)] in den Zuständigkeitsbereich der BauBeGe und wer zahlt hierfür treu und brav, durch Gesetz gezwungen wohl die Beiträge?  Zum Beginn 2005 wurde das Gesetz zwar geändert, aber wird es auch kontrolliert?

Die Vorstände von Hoch-Tief, Bilfinger + Berger, Wayss+Freytag und Züblin vergeben ihre Bauproduktion an ihnen verbundene Unternehmen mit Sitz in Warschau, Lissabon oder irgendwo in der EU. Sie und die Arbeiter von der Firma Schwarz & Samstag lachen sich über uns Beitragszahler kaputt. 

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